Viele Reiseberichte beschreiben die hektischen letzten Tage vor der Abreise. Finale Reparaturen, Einkäufe und Planungen verbrauchen viel Zeit. Das sollte bei uns nicht so sein, also planten wir für alles massig Zeit ein. Der letzte Motor wurde bereits ganze zwei Tage vor Abfahrt zusammen gesetzt, die letzten Ersatz- und Anbauteile kamen am letzten Tag vor Abreise noch früh genug, und auch für das Packen der Ausrüstung ist die letzte Nacht ausreichend lang. So nehmen wir dann am 1. Mai die erste Autobahnetappe Richtung Tschechien in Angriff, begleitet von einigen Freunden und sowohl skeptisch als auch optimistisch zugleich. 

Dank des guten Wetters erreichen wir noch vor Sonnenuntergang fast die Grenze und bauen unser erstes Camp der Reise auf. Kleinere Blessuren wie ein undichter Zündungsdeckel sind mit einer halben Tube Dirko im Handumdrehen behoben.

Nach einer kurzen Autobahnetappe kommen wir in Prag an. Die Motorräder dürfen wir auf einem Firmengelände gegenüber des Hotels sicher unterbringen. Und so machen wir uns bei Sonnenschein zu Fuß auf den Weg Richtung Innenstadt, auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit. 

Hier arbeiten wir uns durch die Menschenmassen auf Karlsbrücke, Wenzelplatz und an der Rathausuhr und vorbei an unzähligen Trdelnik-Ständen. Trdelniks sind eigentlich ein slowakisches Gebäck, welches auf Stöcken über offenem Feuer zu einer Rolle geformt wird. Gefüllt mit Nutella, Marmelade oder Eiscreme gibt es diese hier an jeder Ecke.  

Nachdem uns die überfüllte Prager Innenstadt und der dichte Verkehr bereits genug Nerven geraubt haben,. entschließen wir uns den ursprünglich eingeplanten Umweg über Budapest auszulassen und Tschechien direkt über die Slowakei und Ungarn Richtung Rumänien zu verlassen. Noch bevor Prag ganz aus dem Rückspiegel verschwunden ist, fängt es an zu regnen und wir packen begeistert unsere Regenkleidung aus, glücklich diese endlich auf ihre Funktion testen zu können. So ziehen in den nächsten Stunden die unendlichen Rapsfelder und Baustellen Tschechiens an unseren tropfenbesetzten Visieren vorbei.

Nach einen zweistündigen Stopp bei Turbo Pizza (hier ist der Name nicht Programm) werden die Reste auf die Alukoffer geschnallt und bis zum heutigen Übernachtungsplatz mitgenommen. Welcher wohl um diese Jahreszeit nicht ganz so einfach zu finden ist, denn statt auf der Zeltwiese stehen wir nur vor den noch geschlossenen Toren der Campingplätze. Letztlich finden wir aber doch noch jemanden, der uns auf die Wiese lässt, mit dem Versprechen alles weitere am Morgen zu klären. Unsere einsamen Zelte und der leere Swimmingpool bedeuten wohl, dass wir noch etwas außerhalb der lokalen Urlaubssaison unterwegs sind. Nach der Verteidigung der Pizzareste gegen hungrige Enten wird an der DR noch der Laderegler gewechselt, um der andauernd schwankenden Ladespannung auf den Grund zu gehen.

 

Am nächsten  Morgen dann die große Frage, was die Übernachtung wohl gekostet hat. 120 Kronen? Bevor jemand merkt, dass er sich verzählt hat, sitzen wir schon auf den Motorrädern und passieren wenig später die Grenze zur Slowakei. Die ersten Kilometer ist die Ladespannung der DR wieder in Ordnung, doch dann bricht diese komplett ein und die Batterie wird während der Fahrt entladen. Das Problem wird nun in Lichtmaschine oder im Kabelbaum vermutet, und um uns weiteres Anschieben zu ersparen wird das Problem am Straßenrand näher unter die Lupe genommen. Und nach kurzer Suche ist der Fehler gefunden, ein kleiner Schnitt auf der Rückseite des Plus-Kabels am Laderegler sorgte dafür, dass das Kabel mit der Zeit komplett oxidieren konnte und nur noch sporadischen Kontakt hat. Nach der Reparatur ist zwar die Ladespannung wieder in Ordnung, doch andauernde Zündaussetzer machen die Fahrt wenig spaßig. Also wird vor einer versammelten Hochzeitsgesellschaft kurzerhand der alte Regler wieder eingebaut, welcher eine konstante Ladespannung von 13,6V liefert. Beim Auspacken des Werkzeugs für die Reparatur wurde ganz nebenbei festgestellt, das die KTM ihr Bordwerkzeug während der Fahrt in die weite Welt hinausvibriert hat. Jemand in der Slowakei freut sich jetzt über Proxxon Werkzeug.

Durch die Reperaturen aufgehalten verbringen wir die Nacht doch noch in der Slowakei auf einem eigentlich noch geschlossenen Campingplatz, um am nächsten bei strömendem Regen aufzuwachen. Da die Wetterlage keine Besserung verspricht, packen wir widerwillig nasse Zelte, intelligenter Weise auf den Motorrädern ausgebreitete Handtücher und Schlafsäcke ein, um wenig später bei strömendem Regen die letzten slowakischen Orte und die ungarische Grenze zu passieren. Im ersten Dorf nach der Grenze schert das vorausfahrende Auto plötzlich auf die linke Spur aus. Während wir uns noch fragen, ob in Ungarn neuerdings Linksverkehr gilt, versinken unsere Vorderräder schon in den ersten Schlaglöchern. Aha, ein Ortskundiger! Dem folgen wir wohl besser.

Nach einigen nassen Stunden ist eine Pause und warme Mahlzeit mehr als willkommen, und wir betreten das Restaurant pünktlich mit dem Start der MotoGP Übertragung. Nicht vorhandene Planung sorgt manchmal doch für das beste Timing. Frisch gestärkt hält uns auch eine weitere Reparatur am Straßenrand, um einen leckenden Kühlerschlauch zu flicken, nicht davon ab, mit Rumänien das nächste Land unserer Reise und mit Satu Mare unseren geplanten Einstieg in den Trans-Euro-Trail zu erreichen.